Was ist Hibiskustee? Herkunft, Geschmack und die Sorten im Überblick
Was ist Hibiskustee eigentlich genau? Wer die tiefrote Tasse zum ersten Mal vor sich stehen hat, fragt sich schnell, woher dieses Getränk stammt, warum es in Ägypten Karkade und in der Türkei Hibiskus Çayı heißt und wie der markant säuerliche Geschmack zustande kommt. In diesem Ratgeber bekommst du den kompletten Überblick: von der Pflanze hinter dem Tee über seine lange Geschichte in Afrika und dem Orient bis zu den Unterschieden zwischen rotem, weißem und blauem Hibiskustee und der häufigen Verwechslung mit Malventee. Danach weißt du genau, was in deiner Tasse steckt.
Hibiskustee wird aus den getrockneten Blütenkelchen des Hibiscus sabdariffa gewonnen, einer tropischen Malvenpflanze, die auch Roselle genannt wird. Verwendet werden also nicht die eigentlichen Blütenblätter, sondern die fleischigen, tiefroten Kelche, die sich nach der Blüte um die Samenkapsel bilden. Botanisch gehört das Getränk damit zu den Kräuter- beziehungsweise Blütentees und hat mit echtem Tee aus der Teepflanze Camellia sinensis nichts zu tun. Das erklärt auch zwei seiner wichtigsten Eigenschaften: Hibiskustee ist von Natur aus koffeinfrei und enthält keine Gerbstoffe, die ihn bitter machen könnten. Angebaut wird Roselle heute vor allem in Ägypten, im Sudan, in Nigeria, Thailand und China.
Der Geschmack von Hibiskustee ist unverwechselbar: fruchtig und deutlich säuerlich, mit Noten, die an Cranberry, Johannisbeere und rote Beeren erinnern. Verantwortlich dafür sind natürliche Fruchtsäuren wie Zitronen- und Äpfelsäure sowie die pflanzentypische Hibiscussäure. Dazu kommt die spektakuläre, rubinrote Tassenfarbe, die von den enthaltenen Anthocyanen stammt, denselben Farbstoffen, die auch Kirschen und Blaubeeren färben.
Die Intensität steuerst du über Dosierung und Ziehzeit: kurz gezogen wirkt der Tee leicht und beerig, lang gezogen kräftig und fast zitrisch. Heiß entfaltet er eine wärmende Fruchtigkeit, kalt aufgegossen wird er zum erfrischenden, natürlich zuckerfreien Durstlöscher. Wem der pure Aufguss zu sauer ist, der kombiniert ihn mit milden Partnern wie Hagebutte oder Apfel, genau so entstehen die bekannten roten Früchteteemischungen.
Kaum ein Kräutertee hat eine so internationale Karriere hingelegt wie der Hibiskus. In Ägypten und im Sudan ist Karkade seit Jahrhunderten Nationalgetränk, wird heiß wie eisgekühlt serviert und gehört zu Festen ebenso wie zum Alltag. Auf Türkisch heißt das Getränk Hibiskus Çayı, in türkischen Gewürzbasaren gehören die getrockneten roten Blüten zum festen Sortiment. In Mexiko und der Karibik wird aus den Kelchen die Agua de Jamaica angesetzt, eine gesüßte, eiskalte Erfrischung, die zu gegrilltem Essen gereicht wird. Westafrika kennt das Getränk als Bissap, oft mit Minze und Vanille verfeinert. Diese weltweite Verbreitung zeigt schön, wie vielseitig die Blüten sind: Jede Kultur hat ihre eigene Zubereitung entwickelt, die Basis bleibt überall dieselbe Pflanze.
Historisch gilt die Roselle als eine der ältesten Kulturpflanzen Afrikas, von wo aus sie über Handelsrouten in den Nahen Osten, nach Asien und schließlich in die Karibik gelangte. Der Beiname Jamaica in der spanischsprachigen Welt erinnert bis heute an diesen Umweg über die Karibikinsel. Nach Europa kam der Tee vergleichsweise spät und machte hier zunächst als Färbe- und Basiszutat für Früchtetees Karriere, bevor er in den letzten Jahren als eigenständiges Getränk und trendige Eisteebasis wiederentdeckt wurde.
Beim Stöbern begegnen dir verschiedene Bezeichnungen, hinter denen sich Unterschiedliches verbirgt:
Für den typischen fruchtig roten Genuss führt also kein Weg an klassischen Rosellenkelchen vorbei, idealerweise als ganze, lose Blüten.
Kräutertee
Nicht unbedingt. Hibiskus gehört zwar zur Familie der Malvengewächse, doch echter Malventee stammt von der wilden Malve und schmeckt deutlich milder und weniger sauer. Im Handel werden beide Begriffe leider oft vermischt. Die botanische Bezeichnung auf der Verpackung verrät dir, welche Pflanze wirklich enthalten ist: Hibiscus sabdariffa steht für den klassischen roten Hibiskustee.
Karkade ist der arabische Name für Hibiskustee und bezeichnet in Ägypten und im Sudan das traditionsreiche Nationalgetränk aus getrockneten Rosellenkelchen. Es wird dort sowohl heiß als auch eisgekühlt getrunken und meist kräftig gesüßt serviert. Botanisch handelt es sich um genau denselben Tee, den du hierzulande als Hibiskustee kaufst.
Nein. Da Hibiskustee aus Blütenkelchen und nicht aus den Blättern der Teepflanze hergestellt wird, ist er von Natur aus vollständig koffeinfrei. Du kannst ihn deshalb zu jeder Tageszeit trinken, auch am späten Abend, ohne deinen Schlaf zu beeinträchtigen.
Die Kelche des Hibiscus sabdariffa enthalten von Natur aus reichlich Fruchtsäuren, darunter Zitronensäure, Äpfelsäure und die charakteristische Hibiscussäure. Sie sorgen für den frischen, an Cranberry erinnernden Geschmack. Über kürzere Ziehzeit, geringere Dosierung oder milde Mischpartner wie Hagebutte lässt sich die Säure einfach abmildern.
Was ist Hibiskustee also? Ein koffeinfreier Blütentee aus den roten Kelchen der Roselle, der als Karkade, Hibiskus Çayı, Agua de Jamaica oder Bissap rund um den Globus getrunken wird und mit seiner fruchtigen Säure heiß wie kalt überzeugt. Wer die Unterschiede zu Malventee und blauem Schmetterlingserbsentee kennt, greift im Regal gezielt zum richtigen Produkt. Am unverfälschtesten erlebst du den Charakter der Pflanze mit ganzen, losen Blütenkelchen, wie du sie bei Rootl findest: ohne Zucker, ohne Aromen, bereit für deine eigene Lieblingszubereitung.