Sencha Tee zubereiten: So gelingt der perfekte Aufguss
Sencha ist der Grüntee, bei dem die Zubereitung den größten Unterschied macht. Richtig aufgegossen schmeckt er frisch, süßlich und voller Umami, falsch aufgegossen bitter und kratzig. Die gute Nachricht: Es sind nur drei Zahlen, die du dir merken musst. In diesem Ratgeber erfährst du die richtige Wassertemperatur, Ziehzeit und Dosierung für Sencha, wie du den Mehrfachaufguss nutzt, warum japanischer und chinesischer Sencha unterschiedlich behandelt werden und welche Fehler du vermeiden solltest.
Für den perfekten Sencha brauchst du kein Spezialwissen, nur diese drei Werte:
Wenn du diese drei Werte einhältst, gelingt Sencha praktisch immer. Alles Weitere ist Feinabstimmung. Ein Tipp für den Anfang: Starte bei 75 Grad und 90 Sekunden, das ist die goldene Mitte, von der aus du dich in beide Richtungen herantasten kannst.
Hier liegt der Fehler, den fast alle beim ersten Mal machen. Sencha besteht aus jungen, zarten Blättern, und die reagieren empfindlich auf Hitze. Bei 100 Grad werden sie regelrecht verbrüht: Die Bitterstoffe lösen sich schlagartig, während die feinen Aromen und die Umami Note untergehen. Was bleibt, ist eine kratzige, herbe Tasse.
Ohne Thermometer erreichst du die richtige Temperatur ganz einfach. Lass aufgekochtes Wasser fünf bis zehn Minuten im Wasserkocher stehen, pro Minute verliert es grob fünf Grad. Noch bequemer sind Wasserkocher mit Temperaturwahl. Ein japanischer Teemeistertrick funktioniert ebenfalls: Gieße das kochende Wasser erst in ein leeres Gefäß oder direkt in die Tassen und von dort über die Blätter, jeder Umguss kühlt um etwa 10 Grad ab. Und für besonders feine Sencha Qualitäten darfst du sogar noch tiefer gehen, 70 Grad bringen mehr Süße und Umami hervor.
Ein Punkt, der selten erwähnt wird: Beide Varianten brauchen nicht dieselbe Behandlung. Japanischer Sencha wird gedämpft und besteht aus zarten, nadelförmigen Blättern, die schnell ausziehen. Hier gilt: 70 bis 80 Grad und kurze 1 bis 2 Minuten, sonst kippt die Tasse ins Bittere.
Chinesischer Sencha wird in Pfannen geröstet und ist dadurch deutlich robuster. Er verträgt 75 bis 85 Grad und 2 bis 3 Minuten, ohne bitter zu werden. Genau deshalb ist er der unkompliziertere Einstieg für alle, die kein Thermometer nutzen wollen. Wenn du unsicher bist, welche Variante du hast: Japanischer Sencha ist dunkelgrün glänzend mit flachen Nadeln, chinesischer eher matter und gröber gearbeitet. Mehr zu beiden findest du auf unserer Sencha Seite.
Grüner Tee
Guter Sencha ist für mehrere Aufgüsse gemacht, und der zweite schmeckt oft am besten. Die Regel dafür ist einfach und überrascht viele: Der zweite Aufguss braucht deutlich weniger Zeit als der erste, nämlich nur etwa 30 Sekunden. Der Grund ist, dass die Blätter bereits geöffnet sind und ihre Inhaltsstoffe schneller abgeben.
Beim dritten Aufguss verlängerst du wieder auf ein bis zwei Minuten, und die Temperatur darf leicht steigen. Der Geschmack verändert sich dabei: Der erste Aufguss ist frisch und süßlich, der zweite oft am ausgewogensten, der dritte milder und weicher. Ein praktischer Nebeneffekt: Mit jedem Aufguss sinkt der Koffeingehalt, der dritte eignet sich damit auch für den späteren Nachmittag.
Vier Fehler begegnen uns immer wieder. Der erste ist kochendes Wasser, mit Abstand der häufigste und folgenreichste. Der zweite ist zu lange Ziehzeit: Bei Sencha reichen 90 Sekunden, drei Minuten sind bereits zu viel und bringen Bitterkeit statt Aroma.
Der dritte Fehler ist ein zu kleines Sieb. Sencha Blätter entfalten sich beim Aufgießen deutlich, und in einer engen Teekugel bleiben sie zusammengedrückt, sodass ein Teil des Aromas gar nicht erst freigesetzt wird. Nutze ein großzügiges Sieb oder eine Kanne mit weitem Siebeinsatz, passende Modelle findest du in unserer Kategorie Teekanne mit Sieb. Der vierte Fehler ist, das Sieb nach der Ziehzeit in der Kanne zu lassen, denn dann zieht der Tee einfach weiter.
Für heiße Tage lohnt sich der Kaltaufguss, und bei Sencha funktioniert er besonders gut. Setze die doppelte Blattmenge mit kaltem Wasser an, also etwa zwei gehäufte Teelöffel auf 250 Milliliter, und stelle den Ansatz vier bis acht Stunden oder über Nacht in den Kühlschrank.
Weil sich Gerbstoffe in kaltem Wasser deutlich langsamer lösen als die Aromastoffe, wird der Aufguss spürbar süßlicher und weicher als die heiße Variante, mit betontem Umami und ohne jede Bitterkeit. Auch das Koffein löst sich langsamer, sodass der kalte Sencha milder ausfällt. Für viele ist das die überraschendste Art, Sencha kennenzulernen.
1 bis 2 Minuten für den ersten Aufguss, bei japanischem Sencha eher 90 Sekunden. Der zweite Aufguss braucht nur etwa 30 Sekunden, weil die Blätter bereits geöffnet sind. Ab dem dritten verlängerst du wieder auf ein bis zwei Minuten.
70 bis 80 Grad, keinesfalls kochendes Wasser. Lass aufgekochtes Wasser fünf bis zehn Minuten abkühlen oder nutze einen Wasserkocher mit Temperaturwahl. Für besonders feine Qualitäten darfst du auf 70 Grad heruntergehen, das bringt mehr Süße und Umami.
Fast immer an zu heißem Wasser, seltener an zu langer Ziehzeit. Bei 100 Grad werden die zarten Blätter verbrüht und setzen schlagartig Bitterstoffe frei. Nutze 70 bis 80 Grad und ziehe nicht länger als zwei Minuten, dann verschwindet die Bitterkeit.
Zwei bis drei Mal, hochwertige Qualitäten auch öfter. Der zweite Aufguss braucht nur 30 Sekunden und schmeckt oft am ausgewogensten. Der Koffeingehalt sinkt mit jedem Aufguss, sodass sich der dritte auch für den Nachmittag eignet.
Sencha zuzubereiten ist keine Kunst, wenn du drei Werte kennst: 70 bis 80 Grad, ein bis zwei Minuten und ein leicht gehäufter Teelöffel auf 250 Milliliter. Der entscheidende Punkt ist die Temperatur, denn kochendes Wasser macht aus dem besten Sencha eine bittere Enttäuschung. Wer dann noch den zweiten Aufguss mit nur 30 Sekunden nutzt, holt aus einer Portion zwei bis drei unterschiedliche Tassen heraus. Losen Sencha mit klarer Zubereitungsempfehlung findest du im Sortiment von Ziehblatt.