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Welche Tees in der Schwangerschaft? Erlaubt, in Maßen und besser meiden

26.08.2026
3 Minuten
Welche Tees in der Schwangerschaft? Erlaubt, in Maßen und besser meiden Ziehblatt

Plötzlich steht man vor dem Teeregal und ist unsicher. Was vorher selbstverständlich in die Kanne wanderte, wirft in der Schwangerschaft auf einmal Fragen auf. Die gute Nachricht vorweg: Die meisten gängigen Sorten sind in normalen Trinkmengen unproblematisch. Es gibt allerdings eine überschaubare Zahl von Kräutern, bei denen Zurückhaltung angebracht ist, und ein paar Grundregeln, die den Umgang mit dem Thema deutlich einfacher machen. In diesem Ratgeber findest du eine Einordnung, welche Tees in der Schwangerschaft als unbedenklich gelten, bei welchen du auf die Menge achten solltest und welche du besser meidest.

Warum Tee in der Schwangerschaft eine eigene Frage ist

Kräutertee ist ein Lebensmittel, aber eben eines aus Pflanzen, die teils erhebliche Mengen an wirksamen Inhaltsstoffen enthalten. Genau deshalb werden manche Kräuter überhaupt erst traditionell als Hausmittel eingesetzt. Was im Alltag ein Vorteil ist, verlangt in der Schwangerschaft einen zweiten Blick.

Dazu kommt ein praktisches Problem: Für viele Heilpflanzen gibt es schlicht keine Studien mit Schwangeren, weil solche Untersuchungen aus ethischen Gründen kaum durchgeführt werden. Wenn eine Sorte als nicht empfohlen gilt, heißt das deshalb meist nicht, dass ein Schaden nachgewiesen wurde. Es heißt, dass die Datenlage zu dünn ist, um Entwarnung zu geben. Fachgesellschaften gehen in dieser Situation nach dem Vorsorgeprinzip vor.

Für dich bedeutet das vor allem eines: Kein Grund zur Panik, wenn du vor der Schwangerschaft oder in den ersten Wochen eine Tasse von etwas getrunken hast, das jetzt auf einer Meiden-Liste steht. Entscheidend sind Menge und Dauer, nicht die einzelne Tasse. Sprich im Zweifel deine Hebamme oder deine Ärztin darauf an, statt dich in Sorgen hineinzusteigern.

Die wichtigste Grundregel: Abwechslung statt Dauergetränk

Wenn du dir aus diesem Ratgeber nur einen Punkt merkst, dann diesen. Die meisten Bedenken entstehen nicht durch eine gelegentliche Tasse, sondern dadurch, dass eine einzelne Sorte über Wochen zum Hauptgetränk wird. Wer täglich anderthalb Liter derselben Kräutermischung trinkt, nimmt deren Inhaltsstoffe in ganz anderer Größenordnung auf als jemand, der zwischen vier Sorten wechselt.

Diese Punkte machen den Umgang im Alltag deutlich entspannter:

  • Wechsle regelmäßig zwischen mehreren Sorten, statt monatelang bei einer zu bleiben.
  • Trink Kräutertee als Ergänzung zu Wasser, nicht als Ersatz. Wasser bleibt das Basisgetränk.
  • Unterscheide zwischen Genusstee und Arzneitee. Mischungen aus der Apotheke mit Dosierungsangabe sind etwas anderes als eine Kräutermischung aus dem Supermarkt.
  • Achte auf die Zutatenliste bei Fertigmischungen. Gerade Wellness- und Wohlfühlmischungen enthalten oft mehr Kräuter als der Name vermuten lässt.
  • Wenn eine Sorte gezielt gegen eine Beschwerde eingesetzt werden soll, kläre das vorher mit deiner Hebamme oder Ärztin ab.

Welche Tees in der Schwangerschaft als unbedenklich gelten

Die entspannteste Gruppe sind Früchtetees. Hagebutte, Apfel, Beerenmischungen und ähnliche Sorten bestehen im Wesentlichen aus getrockneten Früchten, sind koffeinfrei und enthalten keine nennenswerten pharmakologisch wirksamen Bestandteile. Sie eignen sich gut als Alltagsgetränk und schmecken auch kalt aufgegossen. Wenn dich der säuerliche Geschmack bei empfindlichem Magen stört, greif zu milderen Mischungen.

Rooibos ist die zweite verlässliche Wahl. Er kommt aus Südafrika, ist von Natur aus koffeinfrei, schmeckt leicht süßlich und enthält kaum Gerbstoffe. Genau das macht ihn interessant, denn Gerbstoffe können die Eisenaufnahme hemmen, was in der Schwangerschaft ein relevantes Thema ist. Rooibos lässt sich auch über längere Zeit gut trinken.

Kamille gilt in üblichen Trinkmengen ebenfalls als unproblematisch und ist die naheliegende Wahl, wenn der Magen gereizt ist. Auch Melisse und Pfefferminze werden in normalen Mengen meist als unbedenklich eingestuft, wobei bei Pfefferminze gilt: als gelegentliche Tasse ja, als literweises Dauergetränk eher nicht. Wenn du zu Sodbrennen neigst, was in der Schwangerschaft häufig vorkommt, verträgst du Pfefferminze möglicherweise ohnehin schlechter.

Grüner und schwarzer Tee: die Koffeinfrage

Diese beiden musst du nicht streichen, aber im Blick behalten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält für Schwangere eine Koffeinaufnahme von bis zu etwa zweihundert Milligramm pro Tag für unbedenklich. Das ist eine Gesamtmenge, in die alles hineinzählt: Kaffee, Cola, Energydrinks, Schokolade und eben auch Tee.

Zur Orientierung: Eine Tasse schwarzer Tee enthält je nach Ziehzeit ungefähr vierzig bis fünfzig Milligramm Koffein, grüner Tee etwas weniger. Matcha liegt deutlich höher, weil das ganze Blatt mitgetrunken wird. Wer keinen Kaffee trinkt, kommt mit zwei bis drei Tassen Tee am Tag also gut hin. Wer morgens Kaffee trinkt, sollte gegenrechnen.

Ein zweiter Punkt betrifft die Gerbstoffe. Schwarzer und grüner Tee hemmen die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Quellen. Da Eisenmangel in der Schwangerschaft häufig ist, lohnt es sich, diese Sorten nicht direkt zu den Mahlzeiten zu trinken, sondern mit etwa einer Stunde Abstand. Das gilt besonders, wenn du ein Eisenpräparat einnimmst.

Welche Tees du in der Schwangerschaft besser meidest

Die folgende Gruppe wird in der Schwangerschaft üblicherweise nicht empfohlen. Die Gründe sind unterschiedlich, reichen von traditionell zugeschriebenen Wirkungen auf die Gebärmutter über bestimmte Inhaltsstoffe bis hin zu schlicht fehlenden Daten.

  • Salbei. Enthält Thujon und wird traditionell zum Abstillen verwendet. In Arzneimengen und als Dauergetränk nicht geeignet.
  • Bärentraubenblätter. Gelten als Arzneidroge für die Harnwege und sind in der Schwangerschaft ausdrücklich kontraindiziert.
  • Sennesblätter und Faulbaumrinde. Stark abführende Pflanzen, die in der Schwangerschaft nicht angewendet werden sollen.
  • Beifuß, Wermut und Rainfarn. Thujonhaltig und traditionell mit Wirkungen auf die Gebärmutter verbunden.
  • Frauenmantel und Schafgarbe. Werden traditionell im Zusammenhang mit dem Zyklus eingesetzt und sind daher nicht für die Schwangerschaft gedacht.
  • Süßholzwurzel und Lakritztee. Größere Mengen werden in der Schwangerschaft nicht empfohlen.
  • Zimtrinde in Arzneimengen. Eine Zimtstange im Früchtetee ist etwas anderes als ein konzentrierter Zimtaufguss.

Zusätzlich gilt: Finger weg von Abnehm-, Detox- und Entschlackungstees. Solche Mischungen enthalten häufig abführende Bestandteile und sind in der Schwangerschaft in jedem Fall die falsche Wahl. Gleiches gilt für Kräutermischungen unklarer Herkunft ohne vollständige Zutatenliste.

Sorten mit Einschränkung: Fenchel, Anis und Himbeerblätter

Zwei Fälle verdienen eine genauere Betrachtung, weil sie oft für Verwirrung sorgen.

Fenchel und Anis sind über Generationen als besonders milde Bauchtees weitergegeben worden, auch an Schwangere und Säuglinge. In den letzten Jahren ist die Einschätzung allerdings vorsichtiger geworden. Grund ist das enthaltene Estragol, weshalb europäische Fachgremien von einer regelmäßigen Anwendung über längere Zeit in Schwangerschaft und Stillzeit abraten. Eine gelegentliche Tasse gilt weiterhin als unbedenklich, ein täglicher Liter über Wochen nicht mehr. Wenn du Fencheltee bisher als Hauptgetränk hattest, ist das ein guter Anlass, mit deiner Hebamme darüber zu sprechen.

Himbeerblättertee ist der bekannteste Sonderfall überhaupt. Er wird traditionell zur Geburtsvorbereitung getrunken, weil ihm eine Wirkung auf die Gebärmuttermuskulatur zugeschrieben wird. Genau deshalb ist er in der frühen und mittleren Schwangerschaft nicht geeignet. Üblicherweise wird er erst im letzten Schwangerschaftsdrittel eingesetzt, und das gehört in jedem Fall vorher mit der Hebamme abgestimmt, weil Zeitpunkt und Menge individuell festgelegt werden.

Tee bei typischen Beschwerden in der Schwangerschaft

Viele Suchanfragen zu diesem Thema entstehen, weil gerade eine konkrete Beschwerde da ist. Hier die wichtigste Regel: Sobald Tee gezielt gegen etwas eingesetzt werden soll, verlässt du den Bereich Genussgetränk. Dann ist Rücksprache mit deiner Hebamme oder deiner Ärztin der richtige Schritt, und zwar bevor du eine Sorte über mehrere Tage regelmäßig trinkst.

Bei Schwangerschaftsübelkeit ist Ingwer die traditionell am häufigsten genannte Pflanze. Als frisch aufgegossene Scheiben in moderater Menge wird er meist als unproblematisch eingeschätzt, bei größeren Mengen oder Ingwerpräparaten sieht das anders aus. Bei Erkältungsbeschwerden und Halsschmerzen fällt vor allem Salbei weg, was ausgerechnet die Sorte ist, zu der viele sonst greifen würden. Milde Alternativen sind in dieser Situation die bessere Wahl.

Wichtig bei allen Magen-Darm-Beschwerden in der Schwangerschaft: Flüssigkeitsverluste durch Erbrechen oder Durchfall werden schneller problematisch als sonst. Wenn du kaum etwas bei dir behältst oder die Beschwerden länger anhalten, gehört das ärztlich abgeklärt und nicht mit Tee allein behandelt. Gleiches gilt bei Verdacht auf eine Blasenentzündung, die in der Schwangerschaft grundsätzlich in ärztliche Hände gehört.

Häufige Fragen zu Tee in der Schwangerschaft

Wie viel Tee darf man in der Schwangerschaft am Tag trinken?

Bei Früchtetee und Rooibos spricht wenig gegen mehrere Tassen täglich. Bei Kräutertees ist Abwechslung wichtiger als eine feste Obergrenze. Bei koffeinhaltigen Sorten begrenzt die empfohlene Gesamtmenge von etwa zweihundert Milligramm Koffein pro Tag, in die auch Kaffee zählt, den Spielraum auf ungefähr zwei bis drei Tassen.

Ich habe vor dem Schwangerschaftstest Salbeitee getrunken. Ist das schlimm?

Einzelne Tassen einer üblichen Kräutermischung sind kein Grund zur Sorge. Die Empfehlungen beziehen sich auf regelmäßige Anwendung über längere Zeit oder auf Arzneimengen. Wenn dich der Gedanke beschäftigt, sprich es bei deinem nächsten Termin an. Deine Hebamme oder Ärztin kann das für deine Situation einordnen und dir die Unsicherheit nehmen.

Ist Früchtetee in der Schwangerschaft unbedenklich?

In der Regel ja, Früchtetee gehört zu den entspanntesten Optionen. Achte lediglich auf die Zutatenliste, denn manche Mischungen enthalten neben Früchten auch Kräuter wie Hibiskus oder Süßholz. Bei gekauften Mischungen mit vielen Bestandteilen lohnt ein Blick auf die Rückseite der Packung.

Ab wann darf man Himbeerblättertee trinken?

Üblicherweise erst im letzten Schwangerschaftsdrittel und nur nach Absprache. Zeitpunkt, Menge und Dauer legt deine Hebamme individuell fest, weil das unter anderem vom Verlauf deiner Schwangerschaft abhängt. In der frühen und mittleren Schwangerschaft ist Himbeerblättertee nicht geeignet.

Gelten dieselben Regeln auch in der Stillzeit?

Teilweise, aber nicht deckungsgleich. Salbei ist in der Stillzeit besonders relevant, weil er traditionell zum Abstillen verwendet wird und die Milchbildung beeinflussen kann. Umgekehrt werden manche Kräuter gerade in der Stillzeit eingesetzt. Kläre die Auswahl deshalb auch nach der Geburt noch einmal mit deiner Hebamme ab.

Fazit: Tee in der Schwangerschaft entspannt handhaben

Welche Tees in der Schwangerschaft in Frage kommen, lässt sich in drei Gruppen zusammenfassen. Unbedenklich sind Früchtetees, Rooibos und in üblichen Mengen auch Kamille und Melisse. Auf die Menge achten solltest du bei grünem und schwarzem Tee wegen des Koffeins und der Gerbstoffe sowie bei Fenchel und Anis, die nicht mehr als Dauergetränk empfohlen werden. Meiden solltest du Salbei, Bärentraube, abführende Kräuter, thujonhaltige Pflanzen wie Beifuß und Wermut sowie alle Abnehm- und Detoxmischungen. Himbeerblätter sind ein Sonderfall für das letzte Drittel und nur nach Absprache.

Am praktischsten ist es, sich einfach mehrere unbedenkliche Sorten hinzustellen und zwischen ihnen zu wechseln. Bei Ziehblatt setzen wir auf losen Tee, weil du damit genau siehst, was in der Kanne landet, was gerade bei Mischungen mit vielen Bestandteilen ein echter Vorteil ist. Und für alles, was über das reine Genussgetränk hinausgeht, ist deine Hebamme die beste Ansprechpartnerin, die du haben kannst.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder hebammenkundliche Beratung. Die Einschätzung einzelner Kräuter kann sich mit neuen Erkenntnissen ändern und hängt vom Verlauf deiner Schwangerschaft ab. Besprich die Auswahl und die Trinkmenge bitte mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme, insbesondere bevor du eine Sorte gezielt gegen Beschwerden oder über längere Zeit regelmäßig trinkst.